Reise-Reportage von Carsten Heinke
Disney, SeaWorld, Gatorland – nirgends gibt es mehr Freizeitparks als in Florida. Und nun fügen die Universal Studios noch eine weitere Super-Attraktion hinzu: Die zauberhafte Welt des Harry Potter.




Schief und krumm ragen die hohen Schornsteine des Wirtshauses „Zu den drei Besen“ in den Himmel von Florida. Auf der hölzernen Brücke davor recken sich Harry-Potter-Fans mit ihren Kameras über die Brüstung. Jeder möchte die meisten Details des verwunschenen Dorfes Hogsmeade erhaschen. Prüfende Blicke. Jede Menge Sachverstand. Schließlich kennt man alles aus Joanne K. Rowlings sieben Büchern und natürlich aus den Filmen. Noch ist „The Wizarding World Of Harry Potter“ im Universal Orlando Resort wie ein großes Überraschungsgeschenk verpackt. Hinter Bauplanen und -absperrungen verborgen, lässt sie gerade soviel durchblicken, dass man es glaubt. In wenigen Wochen, wenn die Hüllen fallen, darf die zauberhafte Welt des Buch- und Kinohelden erobert werden. Als Park im Park, in trauter Nachbarschaft mit den Sauriern von Jurassic Park, den Simpsons und den Men in Black. Die offizielle Premierenfeier steigt am 18. Juni. Doch schon spätestens ab Ende Mai wird die neue Top-Attraktion ihre knarrenden Pforten für Besucher öffnen. Denn der Verkauf der ersten Harry-Potter-Ferienpakete mit Eintrittstickets (siehe Infokasten) hat begonnen – buchbar ab 28. Mai 2010.
Kerstin ist völlig aus dem Häuschen: „Wenn du lange genug guckst und dann die Augen schließt, hörst du die Besen durch die Luft sausen und das Schnauben vom Hogwarts Express“, schwärmt die junge Dame aus dem sachsen-anhaltischen Zeitz. Sie kann es kaum erwarten, selbst auf einem Hippogreif durch die Lüfte zu reiten, sich bei Ollivander’s ihren persönlichen Zauberstab aussuchen zu lassen und ihren neidischen Freundinnen zu Hause Karten von der Eulenpost zu schicken. Ja, und es riecht sogar schon nach Madam Rosmertas Butterbier und Kürbissaft. Für einen Blick in den Verbotenen Wald oder die Winkelgasse muss man sich zwar noch gedulden. Doch Eingeweihte wissen, dass man bald im „Honigtopf“ und in „Zonko’s Scherzartikelladen“ Bertie Bott’s Bohnen, Gespensterbrillen, Erinnermichs und Langziehohren kaufen kann. Am Bauzaun vor Schloss Hogwarts drücken sich an diesem Februartag Muggels aus aller Welt die Nasen platt. Der lange Henry hat es gut. Er kriegt den Fantasiebau in voller Pracht auf die Linse. Seine Freundin Kerstin hat einen prima Sichtspalt erwischt. „Der helle Wahnsinn“, freut sich die 27-Jährige und träumt von einer Fahrt mit der „Dragon Challenge“. Mit dieser modernisierten Achterbahn-Variante der „Dueling Dragons“, die Insider bereits von „The Lost Continent“ kennen, können Besucher wie beim Trimagischen Turnier über das Hogwartsgelände rasen, bevor sie in den Sälen und Gängen des düsteren Schulgebäudes die berühmten Zauberlehrlinge nebst Meister selber treffen. Wer für einen Rollercoaster-Thrill keine Harry-Potter-Kulissen braucht, findet in Orlando reichlich Alternativen.
Eine der neuesten und spektakulärsten Achterbahnen steht ebenfalls bei Universal: der „Hollywood’s Rip, Ride, Rockit“. Mit selbst gewählter Musik aus der Rückenlehne geht es zuerst exakt im rechten Winkel 51 Meter steil nach oben, dann schraubt sich der Wagenzug bei Maximaltempo von 105 Sachen um die eigene Achse über Loopings und Schleifen. So stelle ich mir einen Astronautentest vor. Nicht viel weniger Spaß macht die „Manta“-Achterbahn im Maritimpark SeaWorld, an der man quasi unter dem rochenförmigen Wagen baumelt und kopfüber durch die Luft geschleudert wird. Die Spielidee, die dahinter steckt, ist, den rasanten „Unterwasserflug“ der eleganten Flügelfische nachzuempfinden. Die lebenden Vorbilder im großen Meereswasser-Aquarium direkt darunter interessiert das wenig – selbst wenn man bei den sturzartigen Abwärtsfahrten fast die Wasseroberfläche streift. Zur Entspannung gibt es hinterher eine farbenprächtige Luft- und Wassershow mit Artisten, Papageien, Geiern und Delfinen.
Im Discovery Cove, einem interaktiven Tier- und Landschaftspark gleich gegenüber, schnorchelt man durch bunte Korallengärten, begleitet von Schwärmen noch bunterer Fische. Mit gefiederten Küstenbewohnern können Vogelliebhaber in einer riesigen Voliere auf Tuch- oder besser Federfühlung gehen. Je nach Art und Größe des Piepmatzes, der auf Finger, Arm oder Schulter Platz nehmen soll, wird ein passender Snack gekauft, ornithologische Beratung inklusive. Die größten Futterbrocken sind für Kinder und zart gebaute Menschen nicht geeignet, da sie zwar wunderschöne, aber truthahngroße Vögel anlocken, die mit der Zeit recht schwer werden. In dem einen See schwimmt man mit Rochen, in einem anderen mit Delfinen. Vor dem gemeinsamen Bad mit den geselligen, gutmütigen Meeressäugern erklären Wissenschaftler, wie man sich den dressierten Tieren gegenüber verhält und ihnen kleine Kunststücke abverlangt. Die große Tümmler-Dame Rose ist mit ihren 13 Jahren und 200 Kilo noch recht verspielt. Das steckt an.
Erstaunlich engen Kontakt kann man auch im Tierpark Gatorland zu dessen Bewohnern haben. Die meisten davon sind einheimische Mississippi-Alligatoren, derzeit 1.750 an der Zahl. Tim Williams und seine Kollegen achten streng darauf, dass den kräftigen Reptilien kein Besucher unbeaufsichtigt zu nahe kommt. „Wer hier drüber klettert, wird gefressen“ steht unmissverständlich an Gittern und Zäunen. Der weißhaarige Tim, der sein ganzes Leben mit den Tieren verbracht hat, liebt sie trotz ihrer Gefährlichkeit. Sein Wissen gibt er gerne weiter an die Besucher des Kriechtier-Zoos, der für Familien aus Florida soetwas wie einen Heimattiergarten darstellt. „Unter den Parks von Orlando sind wir eine der größten Lowtech-Attraktionen“, sagt der Naturmann stolz. Gelegenheit für tatsächlich berührende Momente gibt es ausreichend in Gatorland. Das etwa ein Meter lange weiße Alligatoren-Weibchen Pearl lässt sich ohne Maulkorb auf den Arm nehmen. Tim zeigt genau, wie, und bleibt zur Sicherheit in Greifweite, ohne das schöne Tier aus den Augen zu lassen. Ihre stramme und um etliches größere Artgenossin Mary-Anne hingegen bekommt für den Modeltermin die große Klappe zugeklebt. Nachdem sie mit Wrestler Pete ein bisschen raufen durfte, steht der reptile Muskelprotz den Zuschauern als laufende Sitzgelegenheit fürs Foto zur Verfügung.
Noch mehr Natur, ganz ohne Shows und Zäune, gibt es bei einer Airboat-Rundfahrt auf dem Boggy Creek. Das zu den Everglades gehörende Gewässer vor Orlandos Haustür ist der Lebensraum von Alligatoren, Schildkröten und zahlreicher Vögel, die sich an dem Geknatter des Luftkissenfahrzeugs nicht zu stören scheinen. Selbst die eigentlich scheuen Kraniche lassen sich aus nächster Nähe betrachten. In gebührendem Abstand, doch mit bloßem Auge gut erkennbar: zwei Weißkopfseeadler, eins von 170 Brutpaaren am Creek. Einblicke in eine andere typische Landschaft des Sunshine State vermittelt eine Tour durch die endlose Naturpark-Ranch „Forever Florida“. Mit einem nach allen Seiten offenen Bus – wie so vieles, was Räder hat in Amerika, „Buggy“ genannt – geht es auf Öko-Safari durch Wiesen, Weiden und Wälder. Unser Highlight ist ein Gürteltier, das erst sein Abendessen auf dem Weg beendet, bevor wir weiterfahren dürfen. Alternativ kann man die stille Wildnis auch per Zipline oder hoch zu Ross durchqueren. In jedem Fall ein guter Ausgleich zu den adrenalinhaltigen Park-Besuchen.
In Downtown sieht Orlando fast wie eine normale Stadt aus. Mit gemütlichen Kneipen und Restaurants. Mit schick angezogenen Leuten, die tagsüber als Goofy, Jesus oder Spiderman herumlaufen. Und mit einem Heimatmuseum hinterm Schwanenteich. Dort erfahren wir, dass die Geschichte hier nicht mit Micky Maus begann. Und doch sagt man „vor Disney“ wie „vor unserer Zeitrechnung“. Bevor der Medienkonzern in den 1960er Jahren hier Sumpfland kaufte, entwässerte und mit Vergnügungsgeschäften bebaute, war Orlando eine langweilige kleine Agrarstadt, die von Zitrusfrüchten lebte. Heute wird der Besucher im „History Center“ von R2-D2, Darth Vader und einem leibhaftigen Klingonen begrüßt. Denn am Anfang war der Film. Und wie man unschwer übersehen kann: Die Macht war mit ihm und wird es wohl auch weiter bleiben. Wer auf Sternenkriege steht, kommt an „Star Tours“ in Disney’s Hollywood Studios nicht vorbei. Nach Begegnungen mit den beiden liebenswertesten Robotern der Welt simuliert die mittlerweile 21-jährige Attraktion einen Trip zum Mond von Endor. Die Wackelfahrt im Raumschiff „Star-speeder 3000“ hat den Charme der Achtziger. Schade, dass sie bald modernisiert wird …
Ihre Meinung zu einer Reise nach Orlando:
Ergebnis der bisherhigen Bewertungen:




JR.jpg)
Bei Thomas Cook gibt es das 4 Sterne-DZ im frisch renovierten „Crowne Plaza Universal“ inkl. Shuttle-Service zu Disney World, Universal Orlando, Wet’n Wild und SeaWorld Orlando für 36 € pro Person. Das 28-stöckige „Orlando World Center Marriott Resort & Convention Center“ mit 2.000 Zimmern bietet eine „4 Night Stay Orlando Vacation” mit 25 Prozent Rabatt an. Adresse: 8701 World Center Drive, Orlando, http://www.marriottworldcenter.com.
Beste Reisezeit: Ganzjährig.
Klima: Tropisch-feucht mit durchgehend warmen Temperaturen – von Mai bis Oktober mit bis zu 29 °C. Kälteste Monate sind Dezember bis Februar mit durchschnittlich 26,4 °C, aber auch viel Niederschlag.
Zeitzone: MEZ minus 6 Std.
Sprache: Englisch.
Geld: US Dollar (USD).1 Euro = 1,37 USD.
Dokumente: Einreisende (auch Minderjährige) brauchen einen maschinenlesbaren Reisepass. Westeuropäische Touristen können sich max. 90 Tage ohne Visum in den USA aufhalten.
Gesundheit: Die ärztliche Versorgung in den USA ist sehr gut. Allerdings müssen Reisende aus Europa die Behandlung zunächst sofort beim Arzt oder im Krankenhaus bezahlen, selbst bei Abschluss einer Auslandskrankenversicherung. Für die Abrechnung wird eine Kreditkarte benötigt. Medikamente sind in Drugstores erhältlich.
Essen & Trinken: Der Tag beginnt mit einem US- Frühstück: Kaffee satt, Eier, Schinken und Speck sowie Bratkartoffeln. Oft wird Grits serviert, ein Griesbrei mit Ahornsirup.
Restaurants: Im „Ceviche Tapas“ am historischen Bahnhof gibt es bei spanischer Livemusik die besten Tapas von ganz Orlando, z. B. „Ceviche de la Casa“ aus Jacobsmuscheln, Shrimps und Fisch für 8,95 USD. Der ultimative Tipp für Liebhaber maritimer Küche ist das erst im Dezember 2009 eröffnete „BigFin Seafoodkitchen“. Stylish, mit lebendiger Atmosphäre und sehr aufmerksamer Bedienung. Zum „Monday Night Special“ jeden Montag gibt es das Whole Maine Lobster Dinner für 16,95 USD.
Sehenswert: Außer Disney World gibt es in der Region noch etwa 50 weitere Vergnügungsparks. Die bekanntesten sind Epcot (zweitgrößter Park, widmet sich internationaler Kultur und innovativen Technologien), Magic Kingdom, Disney‘s Animal Kingdom, SeaWorld und Gatorland .
Unbedingt machen: Discovery Cove besuchen. Erfahrene Trainer helfen hier Menschen und Tieren beim gegenseitigen Kennenlernen. Man trifft sich mit Delfinen, Rochen und Vögeln.
Unbedingt vermeiden: Aufforderungen von Polizisten missachten.
Beliebte Mitbringsel: Designerstücke aus dem Outletstore, z. B. Prime Outlets Orlando und Orlando Premium Outlet; Orangenblütenhonig.
Literatur: „ADAC Reiseführer Florida“, 6,50 €.
Auskünfte: Infos zu allen Parks finden Sie unter http://www.visitorlando.com/de. Oder direkt bei Discovery Cove: http://www.discoverycove.com; Disney‘s Hollywood Studios: http://www.disneyworld.com; Florida EcoSafaris: http://www.floridaeco-safaris.com; Gatorland: http://www.gatorland.com; SeaWorld Orlando: http://www.seaworldorlando.com, Universal Studios Florida: http://www.universalorlando.com.
Jetzt neu am Kiosk: "33mal Reiselust" - das Magazin für schöne Reisen. Reportagen, Erfahrungsberichte, Fotos auf 180 Seiten. Für nur 4,80 Euro. - Hier bestellen Sie das aktuelle Heft und zurückliegende Ausgaben.
Hier bekommen Sie bei der Planung und Buchung Ihrer Reise professionellen Service. Mehr