Zwischen Beach und Busch

Mosambik

Reise-Reportage von Anja M. Schmutte

Auch wenn es hier am Strand reichlich davon gibt – die touristische Zukunft Mosambiks ist nicht auf Sand gebaut. Viel mehr setzt das Land an Afrikas Südostküste auf Naturschutz und macht sich als Luxus-Destination einen guten Ruf.

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Zugegeben, die Anreise ist etwas strapaziös. So viel vorweg. Doch selten sind Sehnsuchtsziele leicht erreichbar. Und schon der Blick aus dem Fenster der kleinen Cessna im Landeanflug auf Matemo Island ist verheißungsvoll. Das Wasser des Indischen Ozeans schimmert Türkis und wie mit dem Pinsel ins Bild getupft wirken die Inseln. Leuchtendes Grün von Busch und Palmen in der Mitte, gesäumt vom weißen Sandstrand. Nach gut 30 Minuten setzt die Cessna rumpelnd auf.

Hier anzukommen heißt, in Stille eintauchen. Kein Fernseher, kein Handy-Empfang. Von Disco-Lärm ganz zu schweigen. Langsam ziehen auf dem Meer Fischer in ihren Dhaus, den traditionellen Segelschiffen aus Palmenholz, den Fang an Bord. Hier ist das Leben eine einzige Zeitlupe. Warme Luft umschmeichelt wie Samt die Haut. Ruckzuck streife ich die Schuhe ab, spaziere am menschenleeren Strand entlang. Neben dem unglaublich feinen Sand, der wie Puderzucker durch die Zehen rieselt, gibt es hier noch andere Schätze im Überfluss. Die unfassbare Vielfalt an Formen, Farben, Arten und Anzahl der Muscheln gehört dazu. Auch wenn, oder vielleicht gerade weil das so banal scheint. Sie sind wie ein Empfangskomitee der intakten Umwelt. Hübsche Deko für den Bungalow, der direkt am Strand steht, aber nix für Souvenir-Jäger. Mitnehmen von Muscheln ist verboten und wird in Pemba auf dem Festland bei der Ausreise tatsächlich (!) streng kontrolliert.

Egal, mir reicht dieses Robinson-Feeling Deluxe. Ich genieße es, abends im Bett vom sanften Rauschen der Wellen eingelullt zu werden und morgens direkt vom Chalet aus den ersten Strandspaziergang machen zu können. Matemo – das sind 24 Quadratkilometer Insel, die zum Quirimba Archipel im Norden Mosambiks ge-hören. Zur Zeit ist das 1.500 Quadratkilometer große Naturschutz-Gebiet mit seinen Meeresschildkröten, Delfinen, Walen, tropischen Fischen der touristische Geheimtipp des Landes. „Noch“, betont die Südafrikanerin Penni Korb, die das 5-Sterne-plus Resort „Matemo Island“ der Rani-Hotelgruppe managt. „Spätestens nach der Fußball-WM dürfte sich das ändern. Wer jetzt hier Urlaub macht, hat das Privileg, einer der Ersten zu sein.“ Vor fünf Jahren hat Penni Korb die exklusive Anlage mit den 24 Bungalows eröffnet. Und der Bürgerkrieg, an den wir Europäer oft noch denken? „Das ist für südafrikanische Touristen gar kein Thema mehr“, sagt sie. Der ist nämlich seit 1992 längst vorbei.

Wenige Kilometer entfernt liegt das Dorf. Und Eliseli Bras Rodriguez, im Resort zuständig für die Entwicklung der benachbarten Gemeinden, bietet Hotelgästen Ausflüge an. Von Luxus ist dort keine Spur, gelebt wird nach alten Traditionen. Während die Männer die Dächer mit Palmwedeln reparieren, versorgen Frauen die Kinder und kochen. Eine Paste aus Muschelkalk im Gesicht ist Schutz vor Sonne und Schönheitsmaske zugleich. Jungen bolzen auf staubigen Plätzen, sausen auf Fahrrädern umher oder knattern mit Mopeds über schmale Wege. Gegen Abend brennen überall Lagerfeuer, Laternen flackern und die Luft riecht rauchig. Nicht so rustikal, aber mit noch mehr Natur geht es im Busch auf dem Festland zu, der vom Beach gerade mal eine Flugstunde entfernt ist. Den alkoholfreien Willkommens-Drink noch nicht ganz ausgetrunken, glaube ich schon an eine Halluzination. Gemächlich streifen Elefanten zwischen den Zelten umher, angeln sich mit den Rüsseln ein paar Meter vom Pool entfernt die Früchte eines Feigenbaums. Kann das die wilde Wirklichkeit sein? Sie kann. „Vorsicht, das hier ist kein Streichelzoo“, warnt Wildhüter George. „Die Tiere leben hier frei auf ihrem Territorium, und wir Menschen sind nur die Gäste.“ Klar ist, wer im „Lugenda Wilderness“ oder anderen Camps Urlaub macht, ist sofort per du mit den Dickhäutern. Und davon gibt es etwa 12.000 Exemplare im Niassa Nationalpark, der 42.000 Quadratkilometer im Nordosten Mosambiks einnimmt. Außerdem lassen sich hier jede Menge Säbelantilopen, Büffel, Gnus und Zebras aufzuspüren. Also rauf auf den Geländewagen zum „Game Drive“. Game – so heißt in Afrika alles wilde Getier. Und das will man schließlich hautnah erleben.

Es duftet nach trockenem Gras und Erde. In den Sträuchern hängen die kugelrunden Nester der Webervögel wie Christbaumschmuck. Baobab-Bäume strecken ihre knorrigen Äste majestätisch in den Himmel. Wenn die Dämmerung einsetzt, öffnen sich ihre Blüten und verströmen ein betörendes Aroma. Am Horizont zeichnet sich die Silhouette der Ngalongue-Berge ab. Aufgeregt flattern Perlhühner hoch, lenken den Blick ins Gras. Ist da etwa was im Busch? „Morgens finden wir oft Spuren von Löwen und Leoparden im Camp“, sagt George. Wer das für Jägerlatein hält, wird nachts eines besseren belehrt, wenn ganz nah Laub raschelt, Äste knacken. Sich massige Körper an der dünnen Canvas-Stoffbahn des Luxus-Safarizeltes vorbeischieben. Acht Zelte, je 50 Quadratmeter groß, stehen direkt am Fluss. Ringsherum gibt es nur Wildnis, Wildnis, Wildnis. Abends noch allein auf einen Drink an die Bar oder ins Nachbarzelt? Vergiss es! Zu gefährlich. Solche „Ausflüge“ sind nur mit Ranger erlaubt. Selbst tagsüber heißt es immer Ausschau halten, auf Mindestabstand achten. Denn davon haben Elefantenbullen natürlich leider noch nie etwas gehört. Wenn der gestern noch so gemütlich wirkende Dickhäuter plötzlich die Ohren anlegt und mit vollem Tempo auf „seine Gäste“ zukommt, hilft nur noch eines: Ab unters schützende Dach der Lounge flüchten und warten, bis das rasende Herz wieder ruhiger schlägt. Ein Elefant kann verdammt schnell werden …

Kein Gedanke mehr an Streichelzoo. Und blitzartig ist klar, warum dieses unverfälschte, intensive Natur-Erlebnis für Kinder unter zwölf Jahren nicht gedacht ist. Auch wenn gerade noch freche Affen so drollig über das Zeltdach tobten. Wie unaufgeregt ist es da doch auf den Inseln. Beim Bootstrip zum Schnorcheln von Matemo aus hat man kaum den Kopf unter Wasser gesteckt, schon sind gelbblaue Doktorfische, grünblau gestreifte Kaiserfische, Korallen in allen Farben des Regenbogens zu sehen. Mal knorrig wie Baumäste, dann feingliedrig fächerartig. Mittendrin knallgelb leuchtende Lippfische, die aussehen wie tauchende Kanarienvögel. Keinen Meter weiter wedeln andere mit zarten Schleierflossen als wären es Federboas. Hier unter Wasser ist es wie auf einem anderen Planeten.

Morgens Safari, mittags Tauchen und nachmittags kulturelle Inseltour sind beim Urlaub in Mosambik locker drin. Mangrovenwälder, Palmen, Strände prägen die 250 Kilometer lange Kette des Quirimba Archipels. Dennoch gleicht keine der 32 Inseln der anderen. Matemos Nachbarinsel Ibo etwa ist bewohnt und dennoch verlassen, schlummert dahin in einer Art ganz eigenem Dornröschenschlaf. Wo 500 Jahre lang mit Elfenbein, Gold und Sklaven gehandelt wurde, erobert sich die Natur die Hinterlassenschaften portugiesischer Kolonialherren längst zurück. Villen und Paläste, die mit Muscheln verzierte Fassaden haben, an denen schmiedeeiserne Balkone wie Schwalbennester kleben. Da ranken Schlingpflanzen dran empor, wachsen Bäume durch Dächer, reißen mir ihren Wurzeln Böden und Mauern auf. Wer heute in diesem Schmelztiegel arabischer, europäischer und afrikanischer Kulturen lebt, wohnt
außerhalb dieser Altstadt in schlichten Häusern.

Nur das einstige Fort St. Jao Baptista nutzen die Einwohner heute für sich. Silberschmiede arbeiten dort an feinen Ketten, Anhängern und Armbändern. „Das Material stammt von eingeschmolzenen Münzen aus alten Wracks“, weiß Eliseli vom Matemo Island Resort. Wo die Schiffe im Indischen Ozean liegen? „Sorry“, sagt er entschuldigend. „Aber das ist seit Generationen geheim.“ Schade, aber über echtes Glück stolpert man hier auf den Inseln des Quirimba Archipels sowieso viel einfacher: Beim Muscheln sammeln am Strand. Und dafür kann bekanntlich keine Anreise je zu weit sein.

Mosambik - ist das auch Ihr Traumziel?

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Mosambik Reiseangebot

„Matemo Island Resort“ auf der zweitgrößten der kleinen bewohnten, jedoch noch weitgehend unbekannten Koralleninseln im Quirimbas Archipel. Als Mitglied der Hotelgruppe Rani Resorts bietet das 4,5 Sterne-Hotel jeglichen Komfort fernab der Zivilisation und legt dabei viel Wert auf Umweltschutz und sozialverträglichen Tourismus. Preis: 3 Übernachtungen/VP im Bungalow mit Flügen und Transfers ab/bis Johannesburg für 1.827 € p. P. (TUI).

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Mosambik Länderinfos

Beste Reisezeit: Zwischen April und Oktober ist das Klima in Mosambik besonders angenehm.
Klima: Es herrscht Savannenklima mit heißer Trockenzeit während der Sommermonate und schwül-heißer Regenzeit von November bis April. Jahresdurchschnitts-Temperatur: 25-30 °C.
Zeit: MEZ plus 1 Stunde.
Sprache: Portugiesisch, afrikanische Sprachen sind weit verbreitet, z. B. Makua.
Geld: Neuer Metical (MZN). 1 Euro = 41,7 MZN. Sollten Sie Bargeld vor Ort tauschen wollen, empfiehlt sich die Mitnahme von US-Dollars.
Dokumente: Reisepass mit 6 Monaten Gültigkeit über den geplanten Aufenthalt hinaus. Einreise-Visum nötig, erhältlich bei einer Botschaft in Deutschland oder am Flughafen von Maputo.
Gesundheit: Die Gesundheitsversorgung ist im Vergleich zum westeuropäischen Standard problematisch. Empfohlen werden Auslandskrankenschutz mit Reiserückholversicherung sowie aktiver Impfschutz gegen Tetanus, Diphtherie, Polio, Hepatitis A. Weil Stechmücken hier neben Dengue- und Chikungunya-Fieber auch Malaria übertragen, sind Prophylaxe und guter Mückenschutz wichtig. Und: Wegen Cholera-Gefahr streng auf Hygiene achten, kein Leitungswasser trinken. Baden: Süßwassergewässer meiden, da Schistosoma-Larven in die Haut eindringen und fiebrige Infektion (Bilharziose) verursachen.
Essen & Trinken: Landesspezialitäten sind Piri-Piri-Huhn (Huhn mit Chilli), Matapa (Erdnusssoße mit Maniokblättern) mit Reis oder Wusa (dickem Maisbrei). An der Küste: Meeresfrüchte, Fisch, Schalentiere wie z. B. Lobster.
Restaurants: „Sagres Shellfish Restaurant“ bietet frischen Fisch in Buffetform, Av. Marginal in Maputo.
Sehenswert: Gorongosa-Nationalpark, Strände von Inhaca, der Badeort Tofo, Maputos Altstadt, der Cabora-Bassa-Staudamm.
Unbedingt machen: Tauchen.
Unbedingt vermeiden: Ohne Ausweis unterwegs sein.
Mitbringsel: Volkskunst wie Holzschnitzereien, bedruckte Stoffe, Korb, Leder.
Literatur: „Reisen in Mosambik“, Hupe Verlag, 23,90 €.
Infos: Botschaft Rep. Mosambik, Stromstr. 47, 10551 Berlin, Tel.: 030/39 87 65 06, Internet: http://www.mosambik-tourismus.de; http://www.auswaertiges-amt.de.

  

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