Unterwegs auf der Schnapsroute

Jütland

Reise-Reportage von Brigitte Eilert-Overbeck

Dänemarks Snapseruten ist vor gerade mal 14 Jahren ins Leben gerufen worden. Als verwerfliche Verführung zu Sauftouren? Nicht doch! Auf der Route geht es viel mehr um die Kultur, die sich um Aquavit & Co. rankt.

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Was fangen wir an mit ein paar Tagen Sommerurlaub? Der Sinn steht nach Tapetenwechsel, nach neuen Eindrücken, schöner Natur, aber bitte nicht nach endlosen Autofahrten. „Probiert die Snapseruten,“ sagt Anne, Jütländerin, die es der Liebe wegen nach Deutschland verschlagen hat. Schnaps? Hm …?

„Schnaps gehört zu unseren Kulturgütern,“  erklärt Anne kategorisch und serviert uns nach dem Essen einen Bjesk, einen Aufgesetzten. Köstlich! „Hab’ ich selbst gemacht,“ erzählt Anne. „Wir Jütländer haben fast alle unsere Geheimrezepte. In der Gegend am Limfjord wachsen die besten Schnapskräuter und –beeren …“ Und natürlich auch Korn und Kartoffeln – der Grundstoff, aus dem die Dänen ihr „Lebenswasser“, den Aquavit, brennen. Ausgangspunkt der Schnapsroute ist das über 1.000 Jahre alte Aalborg, viertgrößte Stadt des Landes, Hafenstadt, Universitätsstadt, Industriestadt, einst Zentrum des dänischen Heringsfangs. Und Aquavit-Hauptstadt. Hier destillierte der Brennmeister Isidor Henios im Jahre 1846 seinen Branntwein mit einer besonderen Gewürzmischung und kreierte so den ersten typischen Aquavit. Henios begründete die Brennerei, die im Laufe der kommenden Jahrzehnte zum Giganten wurde: De Danske Spritfabrikken. Von 1871 an wurde sie als Großkonzern der Dänischen Brennmeister betrieben, 1923 schließlich erhielt sie das Monopol für die Her-stellung hochprozentiger Getränke. Ein gigantischer Aufstieg! Einen Giganten stiftete die Fabrik der Stadt als neues Wahrzeichen: Den Cymbrertyren, jenen monumentalen Stier, der auf der Hauptstraße Vesterbro Wache hält – Andenken an die germanischen Vorfahren, die Kimbern. Sie mussten sich wohl noch mit Met anstelle von Aquavit begnügen. Aber das ist lange her …

Mehr als die Hälfte des weltweiten Aquavit-Aufkommens wird heute in De Danske Spritfabrikken produziert. Kleine Ironie am Rande: Seit gut zehn Jahren gehört die Brennerei einem staatlichen schwedischen Konzern – für manchen Dänen der Wermutstropfen zuviel im Kultgetränk. Indessen werden dort wie eh und je 15 verschiedene Sorten Schnaps gebrannt, vom fast neutral schmecken-den Brøndums Snaps (beliebtester Grundstoff für Aufgesetzte) bis hin zum weltbekannten Jubiläums Akvavit. Auch die Werksführungen samt Streifzug durchs hauseigene Museum mit seiner eindrucksvollen Sammlung alter Geräte und Flaschen sind interessant wie eh und je. Uns machen sie Lust auf einen Besuch im historischen Museum von Aalborg, das eine riesige Menge alter Trinkgläser und –flaschen zeigt. Eine Schnapsverkostung unter fachkundiger Anleitung rundet die Werksbesichtigung ab. Vorsichtig genießen – solch ein Aquavit hat schließlich mindestens 37,5 Prozent Alkohol! Beim abendlichen Zug durch Aalborgs malerische Kneipenmeile Jomfru Ane Gade – Lokal an Lokal hinter historischen Fassaden – halten wir uns dann auch lieber an Øl (Bier) als Getränk. Der ausgelassenen Feierstimmung tut’s keinen Abbruch.

Uns zieht es von Aalborg weiter nach Nørresundby, zu den Wikingergräbern von Lindholm Hoje und in den Kräutergarten Urtehaven. Rund 300 Kräuter- und Arzneipflanzen wachsen hier. Eine ganze Reihe von ihnen eignen sich auch bestens für den Bjesk, wie die Dänen ihren Kräuterschnaps nennen. Im übrigen ist der Schnaps auf der Snapseruten eher Nebensache. Solange wir auf Reisen sind, auf jeden Fall. Unterwegs in einer Landschaft zum Verlieben: Goldene Getreidefelder, duftende, blühende Wiesen mit Schafgarbe, Johanniskraut und Labkraut, Heide und Wacholderbüsche, lockere Nadelwäldchen, alles durchdrungen von frischer Seeluft. Der Limfjord ist nie wirklich weit weg. Beim Fischerort Løgstør weitet er sich zum Binnenmeer. Vom Nordufer des schmalen Aggersunds gegenüber grüßen die Reste der Aggersburg, einst eine mächtige Festung der Wikinger. Am Hafen beginnt der Frederick VII.-Kanal, eine vier Kilometer lange Wasserstraße, die Schiffe vor den Untiefen des Limfjords bewahren sollte. Seit 1913 ist der Kanal stillgelegt und das Haus des Kanalwärters beherbergt das Limfjord-Museum. Wer mehr über das Leben am Fjord, die Fischerei und den Kanal erfahren will, wird dort bestens informiert.

Wir fahren weiter zum einstigen Zisterzienserkloster Vitskøl, heute ein Tagungszentrum. König Waldemar der Große (12. Jahrhundert) wollte auf dem Gelände Skandinaviens größte Kirche errichten. Von ihr sind heute nur noch Ruinen zu sehen. Der Klostergarten dagegen, eine Kopie des Gartens der Benediktinerabteil von St. Gallen in der Schweiz, ist vollständig erhalten und in Dänemark bekannter denn je. Mittlerweile verfügt er auch über einen separaten Schnapskräutergarten mit rund 70 verschiedenen Kräutern. So langsam fangen wir an zu überlegen, ob wir nicht doch mal selbst einen Bjesk ansetzen sollten.

Der nächste Ausflug führt uns auf die Limfjordinsel Mors. Sie trägt den Spitznamen „Herrgotts Modell von Dänemark“ – wohl nicht, weil sie sich ausschließlich mit Windenergie versorgt, sondern eher, weil hier die Kirchendichte pro Quadratkilometer die höchste in ganz Dänemark ist: 34 Gotteshäuser stehen auf der kleinen Insel. Das Kloster Dueholm nahe der Inselhauptstadt Nykøbing wartet mit einer feinen Sammlung von Flaschen, Branntweingefäßen und Destilliergerät auf. Unbedingt zu empfehlen: Ein Besuch auf Gut Skarregard, ebenfalls bei Ny-købing, Landwirtschaftsmuseum und Bio-Bauernhof, mitten in einer traumhaften Landschaft gelegen. Der angeschlossene Hofladen ist unter anderem gut bestückt mit Schnapskräutermischungen und hübschen Glasflaschen.

Die Halbinsel Thy kommt uns rauer vor als das, was wir bislang von Jütland gesehen haben – wir sind nicht nur in Limfjord-Nähe, sondern gleich an der Nordsee. Bei Heltborg liegt Lundehoj, eines der besterhaltenen Hünengräber im Land. Die heidekrautbewachsenen Anhöhen bei dem Dorf Ydby erinnern an die Wikingerzeit: Hier versammelte sich die dänische Flotte, um in den Krieg zu ziehen. Uns zieht es weiter ins Museumsdorf Hjerl Hede bei Vinderup. In den
Sommermonaten bevölkern über 100 Personen in historischen Kleidern das Dorf mit den historischen Bauten, arbeiten wie in alten Zeiten in der Schmiede, der Molkerei, der Mühle und anderen Werkstätten und Geschäften. Die Illusion wirkt: Irgendwann sind wir eingetaucht in 400 Jahre dänisches Dorfleben …

Ebenfall ein Stück lebendiger Vergangenheit erfahren wir im Museum Burg Spøttrup, der besterhaltene Burganlage Dänemarks. Im 15. Jahrhundert war sie Sitz des katholischen Bischofs. Unnahbar und uneinnehmbar wirkt sie mit ihrem doppelten Burggraben und der mächtigen Wallanlage. Heute dagegen heißt man auf Spøttrup Be-sucher herzlich willkommen. Vor allem jene, die sich für den Kräutergarten mit seinen über 300 Kräuter- und Arzneipflanzen interessieren. Jede Menge Eindrücke. Zu den besten gehören die Übernachtungen und Abendessen in verschiedenen Kros, Dänemarks unvergleichlichen historischen Landgasthöfen. Erinnerungen an fröhliche Unterhaltungen beim Aquavit nach dem Essen. Und ungelöste Rätsel: Wird der Aquavit nun eiskalt aus gekühlten Gläsern getrunken? Oder besser zimmerwarm, damit man die feinen Aromen überhaupt wahrnehmen kann? Serviert bekommen haben wir beide Varianten – selbst die Experten von der Schnapsroute sind sich nicht einig, welche nun die „richtige“ ist. „Was Ihnen am besten schmeckt,“ schlägt schließlich einer vor. Wir nehmen es als nettes Beispiel von Toleranz.
Ein weiteres Geheimnis bleibt ungelöst: Von allen Einheimischen, die wir nach ihrem Geheimrezept für den Aufgesetzten fragen, erhalten wir zwar ein freundliches Lächeln, aber keine Auskunft. Vielleicht hätten wir im Hofladen von Gut Skarregaard doch „zuschlagen“ sollen. Oder nach Hirtshals ganz im Norden fahren und das einzige Bjesk-Museum der Welt besuchen sollen. Wer eine Flasche Brøndum-Snaps mitbringt, bekommt dort eine Kräutermischung, um seinen eigenen Bjesk anzusetzen. Wir probieren es schließlich zu Hause, geben 100 Gramm verschiedene Kräuter (Schafgarbe, Johanniskraut, Labkraut und Wermut) in eine verschließbare Flasche, übergießen die Kräuter mit 42-prozentigem Alkohol und lassen das Ganze drei Wochen stehen, bevor wir es durch einen Filter gießen, verdünnen und in Flaschen füllen. Kein schlechtes Ergebnis. Aber, ganz ehrlich: Annes Bjesk war besser. Vielleicht sollten die Kräuter ja doch von der Snapseruten kommen …

Jütland - ist das auch Ihr Traumziel?

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Jütland Reiseangebot

Urlaub in Dänemark? Eine klare Sache: Die meisten Gäste mieten sich für diesen Zweck ein gemütliches Ferienhaus. Und das bietet sich auch als Ausgangspunkt für Touren auf der Schnapsroute an, zum Beispiel in Gammel Skagen (Alt-Skagen). Hier hat der Ferienhausvermittler Novasol ein besonders schnuckeliges Urlaubsdomizil im Programm (Katalog-Nr. A01815). Das erst 2006 erbaute, reetgedeckte 125 qm-Haus steht auf einem 3.000 qm großen Dünengrundstück, nur 500 Meter vom Meer entfernt. Es ist sehr geschmackvoll eingerichtet, verfügt u. a. über große Terrassen, Whirlpool und einen eigenen Tennisplatz. Preis: ab 1.029 € pro Woche.

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Jütland Länderinfos

Beste Reisezeit: Die wärmsten Monate sind Juli und August.
Klima: Meeresklima mit mäßig warmen Sommern und milden Wintern. Die Wassertemperaturen betragen auch im Sommer nicht mehr als 18 bis 20 °C. Charakteristisch sind häufige, schnelle Wetterwechsel .
Zeitzone: MEZ.
Sprache: Dänisch, aber viele sprechen auch Deutsch und Englisch.
Geld: Dänische Krone (DKK). 1 Euro = 7,4412 DKK.
Dokumente: Personalausweis genügt. Für die Einreise von Haustieren ist ein Europäischer Heimtierausweis nötig. Außerdem müssen Hunde und Katzen gechipt oder tätowiert sein.
Gesundheit: Im Notfall erfolgt die Versorgung im Krankenhaus nach Vorlage der Europäische Krankenversicherungskarte kostenlos. Ein Arztbesuch muss meist bar bezahlt werden, kann aber zu Haus mit der Krankenkasse abgerechnet werden.
Essen & Trinken: Die Dänen essen vor allem gern Fisch. Im Limfjord werden Miesmuscheln und Austern gezüchtet. Milchprodukte wie Käse oder Ymer (dicker Joghurt) haben ebenfalls einen hohen Stellenwert. Zum Frühstück und am Nachmittag gibt es oft süßes Blätterteig-Gebäck. Beliebte Desserts: Rote Grütze und Erdbeeren mit frischer Milch oder Sahne.
Restaurants: In der Alstadtgasse Jomfru Ane Gade in Aalborg findet man viele Wirtshäuser.
Sehenswert: In Aalborg: das Schloss (Aalborghus), Jens Bangs Steinhaus, das Heiliggeistkloster. Der 105 m hohe Aussichtsturm Aalborg Tärnet bietet einen tollen Blick über die Stadt. Lindholm Høje; der 47 m hohe Kalkfelsen Bulbjerg; Moler- Kliff Steilküste (Hanklit).
Unbedingt machen: Einen Hot Dog essen, mit dem Fahrrad oder zu Fuß die Natur erkunden. Tipp: Inselhopping. Besonders die Inseln Livø und Fur sind einen Tagesausflug wert.
Unbedingt vermeiden: Ohne Regenkleidung aus dem Haus gehen und zu dünn anziehen. Das Zwiebelprinzip ist beim wechselhaften dänischen Wetter unbedingt angebracht!
Beliebte Mitbringsel: Aquavit und andere Schnäpse sowie Dänischer Käse und Marmelade.
Literatur: Baedeker Allianz Reiseführer „Dänemark“ von Achim Bourmer, 19,95€; „Dänemark Nordseeküste“ von Hans Klüche, DuMont Reise-Taschenbuch, 12 €; „Limfjord-Route: Rund um den Limfjord in Dänemark“, Bikeline Radtourenbuch mit Karte, 11,90 €.
Auskünfte: Dänemarks offizielle Tourismuszentrale, Glockengießerwall 2, 20095 Hamburg, Tel. 040/1805-32 64 63. Internet: ww.visitdenmark.com.

  

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